Singwochen mit Cantus in Uzhhorod, Transkarpatien

5. - 12. Mai 2019

Die Reise ist ausgebucht!

 

Bericht einer Teilnehmerin von 2018

 

Schon wieder eine Liturgie? Auf demselben Weg hin und zurück? Im April und zur gleichen

Jahreszeit?

Ja, ich weiss mittlerweile, was mich erwartet: Sakura, Tulpen in allen Formen und Farben, Magnolien, rosa und weisse, eine wunderbare Gastfreundschaft, kurz: Transkarpatien, eine liebliche Landschaft im ersten Grün des Frühlings.

Es ist wie nach Hause kommen.

Ein herzhaftes, abwechslungsreiches Frühstück in der Gastfamilie mit bekannten, beinahe vergessenen Köstlichkeiten: Hafer- oder Maisbrei mit ausgelassenem Speck, Mariannes Käsesoufflée mit eingelegten Kirschen oder Himbeeren, hauchdünne Pfannkuchen, Profiteroles, interessante Gespräche, unbeschwertes in den Tag kommen, ab und zu kein Internet, Lachen und vieles mehr.

Nun aber zur Probenarbeit, zur diesjährigen Liturgy of St. John Chrysostom von O. Koshyts, M. Leontovych, S. Mokranjac, K. Stetsenko und S. Ljudkevych.

Emils Wahl ist schlicht genial. Massgeschneidert für uns Gastsängerinnen und Sänger aus der Schweiz. Schnell begriffen die Töne. Noch gar nichts begriffen bezüglich Linie, Puls, Atem und Harmonie.

In kleinen Schritten und in der taktweisen Wiederholung, v.a. aber mit Hilfe von Emil`s vielen vital treffenden Sprachbildern nähern wir uns langsam, auch für uns spürbar, dem Wesentlichen.

Ukrainische Musik ist kurz, zart und schön. Diese Musik ist wie die kleine Blume „Vergissmeinnicht“. Emil brachte sie am dritten Tag vom Markt und stellte sie aufs elektrische Klavier. Meine Mutter nannte dieses unscheinbare Blümchen „Madonnenäuglein“. Sie gefallen, sind unscheinbar, unaufgeregt und schlicht schön.

Das genau ist unsere Liturgie.

Emil erinnert: „Nicht alles Einfache ist genial - und, Geniales ist nie einfach! Singt nicht einfach! Hört! Meditiert, wach, aufmerksam, wie beim ersten Spaziergang durch Ushgorod! Nehmt stets Neues wahr! Entdeckt! Seid achtsam, vorsichtig! Sucht auf dünnem Eis den Weg! Die Linie spüren, führen, halten, aushalten, nicht explodieren, kein Drama zelebrieren. Legatissimo, piano, pianissimo, murmurando, wie ein Traum……

A M I N. Hört! So schön! Intonation! Puls!“ Dem versuchen wir nahezukommen. Dem müssen wir unbedingt gerecht werden.Beim heutigen Anhören eines Konzertmitschnittes freue ich mich ausserordentlich. Dem kamen wir etwas näher. Die klaren, geschulten Stimmen der Cantussängerinnen- und Sängern mischten sich tatsächlich mit unsern Stimmen. Wir wurden letztlich zu einem Projektchor und reich beschenkt. Herzlichen Dank allen Beteiligten!

Die Singwoche organisiert und im Hintergrund wunderbar begleitet hat dieses Jahr erstmalig kompetent und sehr charmant Krisztina Sokach. Dass vor Ort täglich alles klappte, verdanken wir u.a. auch Stas und dem stets präsenten Übersetzer Ivan.

Mir persönlich bedeutet nebst der Arbeit mit Emil die tägliche Stimmbildung bei Oxana ausserordentlich viel. Auch ihre Übungen, das Suchen nach dem Sitz der Stimme mit der stets gleichen Übung R R R, sind schlicht, einfach und anspruchsvoll.

Ich übe weiter.

Nächstes Jahr wird sie , best case, hören, dass sich da langsam etwas verändert, die Stimme besser sitzt, weg vom Kehlkopflastigen und hin zur Mitte. All dies alle Jahre wieder neu erleben zu dürfen lässt in der Tat die lange, beschwerliche Reise nach Ushgorod vergessen.

Ursula Küpfer, Basel, im Mai 2018

 
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Emil Sokach, Gründer und künstlerischer Leiter des Kammerchors. Unter seiner Leitung findet auch die Singwoche statt.